Die Methodik für das Trainieren für Sparring vom Sifu Wong
ist systematisch wie auch effektiv. In vielen Kung Fu Schulen heute
fehlt diese Methodik und sie können deshalb ihr Kung Fu Techniken
im Sparring nicht anwenden. Jene, die eine effektive Methode fleissig
trainieren haben keine Mühe, ihr Kung Fu Techniken im Sparring
anzuwenden. Leider sind solche Leute heutzutage schwer zu finden.
Die Methode
- Passende Kung Fu Techniken und Sets lernen und üben. (Viele
Kung Fu Schüler kommen nie weiter als diesen Level).
- Die Kampfanwendung jeder Technik verstehen und üben.
- Spezifische Techniken für besondere Kampfsituation anwenden.
- Diese einzelnen Kampfsequenzen zusammenführen, um längere
fliessende Kampfsequenzen zu kreieren.
- Variationen diese Kampfsequenzen üben.
- Vorbestimmte Sparring Sets üben (längere Versionen
der Kampfsequenzen)
- Free Sparring (Freikampf).
Anfänger in unserer Shaolin Wahnam Schule werden eine Serie
von Kampfsequenzen beigebracht, die die 4 Angriffs- und Verteidigungskategorien
abdecken (Handtechniken, Fusstechniken, Würfe und Chin-Na).
Wir haben 16 Grundsequenzen – jede hat ca. 3-10 Patterns (Techniken).
Eine Kampfsequenz alleine geübt sieht aus wie ein kleines Stück
eines klassischen Sets. 4 oder mehr zusammenhängende Kampfsequenzen
sehen ein klassisches Set ähnlich.
Es sind wichtige Teilschritte für das Üben dieser Kampfsequenzen:
- Vorwahl: Initiator und Partner wissen welche Sequenz sie üben
werden.
- Selbstwahl: Initiator wählt eine Sequenz ohne seinen Partner
darüber zu informieren.
- Überraschungskonter: Der Partner hat die Möglichkeit
mit einem Konter, der nicht zur Sequenz gehört zu reagieren.
- Weiterführung: Initiator oder sein Partner darf das Ende
einer Sequenz direkt mit einer anderen Sequenz verbinden ohne
den Fluss zu unterbrechen.
- Externe Änderung: erlaubt beide Partner in eine andere
Sequenz zu wechseln und dies zu einem logischen Zeitpunkt in der
ursprünglichen Sequenz.
- Interne Änderung: erlaubt beide Partner Änderung
in der Sequenz zu machen (fast wie Improvisieren auf Basis der
vorgeschriebenen Sequenz).
Der Hauptgrund, weshalb heutige Schüler ihr Kung Fu nicht
anwenden können ist, dass die passenden Methoden den Freikampf
zu trainieren fehlen. Es ist einfach zu sehen wieso ein direkter
Sprung vom ersten Schritt (Formen) zum letzten Schritt (Freikampf)
fehlschlagen wird. Dieser direkter Sprung zum Freikampf wird garantiert
dazu führen, dass die hoch entwickelte Kung Fu Techniken nutzlos
erscheinen.
Ich erinnere mich, wenn ich mit dem Kämpfen im Karate angefangen
habe. Als Grüngurt wurde ich gegen Schwarzgurte gesetzt. So
bald mein Sensei „Hajimei“ (Start) sagte dachte ich
mir „Und jetzt?“ Selbstverständlich konnte der
Schwarzgurt an diesem Tag mit mir machen, was er wollte. Ich kann
mich gut erinnern wie ich später als Schwarzgurt gegen Grüngurte
kämpfen konnte. Ich habe in ihre Gesichte geschaut und gedacht
„sie haben keine Ahnung, was zu machen.“ (Natürlich
war es viel mehr lustig auf der anderen Seite zu sein.) Ich habe
mit der Zeit doch Sparring gelernt. Mein Fortschritt war aber langsam
und ungerichtet.
Kung Fu ist nicht Magie. Es ist wissenschaftlich. Man kann nicht
erwarten, dass diese hoch entwickelten Techniken für einen
magisch funktionieren, weil man sie während 30 Jahren alleine
auf einem Berg geübt hat. Wenn Schüler die vorgeschriebene
Methodik folgen und genügen üben, werden sie Free Sparring
(Freikampf) als natürliche Progression empfinden. Sie werden
ihre Kung Fu Techniken spontan anwenden können – nicht
weill Kung Fu Magie ist, sondern weil sie gemäss einer systematischen
Methode geübt haben.
Ergebnisse
Die Ergebnisse sind bemerkenswert. Zum Beispiel – während
dem Üben von Schritt 5 mit einem meiner Junioren (der Kung
Fu während weniger als 2 Jahren geübt hat) haben wir bemerkt,
dass wir natürlich weiter und weiter weg von den vorgeschrieben
Sequenzen improvisierten. Am Schluss waren wir in der Nähe
von (aber nicht ganz) freiem Sparring. Jeder, der uns anschauen
konnte hätte keine Mühe, unsere Bewegungen aus den traditionellen
Formen, die wir üben zu erkennen. Was wir machen sieht auch
aus wie „Kung Fu Kämpfen“. Kein Herumspringen,
kein Boxing, Keine Schutzausrüstung, kein Karate, Kein Taekwondo
irgendwo in dem, was wir machen. Es ist alles traditionelles Kung
Fu.
Ich kann jede Technik, die ich in Sparring verwende bei seinem
traditionellen Namen nennen. Zum Beispiel – ein Junior hat
mal versucht mich mit einer unerwarteten Technik (Überraschungskonter)
zu erwischen aber ich habe spontan sein Konter mit einer anderen
Überraschung gekontert. Er war in der Tat überrascht und
schaute mich so an als hätte ich eine neue Wahnsinn-Technik
erfunden. Ich hatte es nicht. Ich bin nicht so Clever. Ich habe
gesagt, dass ich ein Pattern verwendet habe, den er schon kennt
„Sharp Knife Trims Bamboo“. Alles was ich machte war
der Stand von „Bow-Arrow“ zu „Unicorn“ zu
variieren. Ich stand immer noch in einem richtigen Stand (Stance)
und der Pattern war immer noch derselbe.
Fertigkeiten
Es hat auch andere Gründe, wieso immer weniger Leute die hoch
entwickelte Kung Fu Patterns in Sparring oder Kampf einsetzen können.
Das Offensichtlichste ist, dass sie die Anwendung nicht oder nur
oberflächlich kennen. Einige Lehrer ermutigen sogar die Schüler,
die Anwendung selber heraus zu finden – wie eine Puzzle zu
lösen. I kann aus wiederholter Erfahrung sagen, dass jene Anwendung,
die Sie selber herausfinden bestenfalls lediglich eine von mehreren
Anwendungen ist – und vermutlich die einfachste.
Und wenn Sie die komplizierte Anwendung mal sehen kann es auch
sein, dass Sie ist trotzdem „nicht kapieren“. Ich habe
eine Anwendung gesehen, verstanden und sie mit einem Partner für
mehr als ein Jahr geübt. Später fühlte ich dasselbe
Pattern von Sifu Wong angewendet im Sparring. Was er machte sah
für die Anderen vielleicht gleich aus, aber für mich war
er VOLLSTÄNDIG anders. Es hätte genau so gut eine andere
Technik sein können. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe
die physische Form der Technik nicht falsch geübt. Mir fehlten
einfach die anderen Fertigkeiten, die die Form so effektiv machen.
Die Anwendung diese Techniken hängt sehr viel von diesen Fertigkeiten
ab. Leider sind diese Fertigkeiten nicht einfach zu sehen. Viele
dieser Fertigkeiten, auch wenn von einem Meister direkt gezeigt/erspürt,
benötigen viele Jahren zu perfektionieren. Taijiquan Handstossen
(Tui Shou) ist ein gutes Beispiel; es sieht einfach aus –
und ist auch einfach. Aber die Fertigkeiten, trotz der Einfachheit,
sind unsichtbar und benötigen Jahren zu meistern.
Kraft
Dies führt uns zu einem anderen Grund, wieso viele ihr Techniken
nicht anwenden können: fehlende Kraft. Kraft kann verschieden
erklärt und angewendet werden. Innere Kraft ist nicht mal notwendig.
Eine Tigerkralle wird als Beispiel genügen.
Nehmen wir an, Sie kennen einen Pattern „Fierce Tiger Descends
Moutain“. Sie haben die Anwendung und die notwendigen Fertigkeiten
vom weltbesten Meister – Mr. Miyagi – gelernt. Sagen
wir Sie üben diese Technik Tausend Mal. Mr. Miyagi ist jeden
Tag dabei und korrigiert die Fehler. Ein Jahr später sind Sie
in der Lage, diese Technik in Sparring 80% der Zeit anzuwenden.
Auch wenn Sie die Prozentzahl auf 99.9% erhöhen fehlt einem
wichtigen Bestandteil. Wenn Sie die Kraft für die Tigerkralle
nicht trainiert haben ist die Technik nutzlos. Warum? Weil diese
Kraft notwendig ist, um der Pattern effektiv zu machen. Auch wenn
die Technik korrekt angewendet wird werden Sie den Gegner höchstens
kitzeln. Darum war Kraft-Training (nicht unbedingt mit Gewichte)
immer ein unentbehrlicher Bestandteil des traditionellen Kung Fu.
Ich habe Fu Jow Pai Kung Fu (Black Tiger) während ungefähr
6 Monaten studiert. Ich sah mal wie der Meister sein linker Kleinfinger
durch ein dicker Kartonschachtel durchstach. Er machte es locker,
fast spassig, und hinterliess ein perfektes Loch durch mehrere Karton-Lagen
für uns alle zu sehen. Der Mann trainierte Kraft jeden Tag.
Es war nicht genau das Gleiche als innere Kraft aber glauben Sie
mir: Sie wollen nicht das dieser Herr Sie irgendwo mit seinen Finger
greift.
Kung Fu fürs Kämpfen?
Viele heute, einschliesslich einige Meister, glauben nicht, dass
Kung Fu für Sparring und Kämpfen eingesetzt werden kann.
Einige beteuern, dass die klassische Körperhaltungen nur für
Trainingszwecke sind. Andere argumentieren, dass Stances (die Stände)
im Kampf nicht funktionieren. Noch andere sagen, dass moderne Methoden
wie Kickboxing und Ringen mehr effektiv sind.
Wenn sie Sparring systematisch in einer guten Schule trainieren
werden sie lernen – durch persönlicher Erfahrung –
die Ungenauigkeit dieser Behauptungen. Wenn die elegante und hoch
entwickelte Kung Fu Patterns lebendig werden, werden auch Sie begreifen
welch unglaubliche Erbe von den Meistern weiter gegeben wurde. Wenn
Sie korrekt und regelmässig üben werden Sie sehen, dass
Kung Fu – inklusiv richtige Stances und elegante klassische
Patterns – sicherlich für Sparring und Kampf verwendet
werden kann.
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